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-
Sozialgericht
stärkt die Rechte von Schmerzpatienten.
Danach hat ein Schmerzpatient das Recht in einer
schmerztherapeutischen Klinik
behandelt zu werden,
er
muß
also nicht
irgendeine der sonst üblicherweise angebotenen Rehabilitationen akzeptieren
sondern kann unter Hinweis auf das Urteil
gleich Widerspruch einlegen.
Hier
gelangen Sie zu dem Urteil (dieses gilt sinngemäß natürlich nicht nur für die
Rentenversicherungen sondern auch für Krankenkassen), das mittlerweile
rechtskräftig ist. Pressemitteilung dazu:
http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051207009&phrase=schmerzklinik
Zu allgemeinen und therapiebezogenen Schmerzthemen gelangen
Sie
hier
Internationale (englischsprachige) Themen:
Complex Regional Pain Syndrome (www.complex-regional-pain-syndrome.de),
CRPS (www.crps-type.com),
Face Pain (www.face-pain.com)
low back pain (www.low-back-pain.net),
Prosopalgia (www.prosopalgia.de),
Reflex Sympathetic
Dystrophy Syndrome (www.reflex-sympathetic-dystrophy-syndrome.de),
Sudeck atrophy (Sudeck`s
atrophy) (www.sudeck-atrophy.com),
Sudeck disease (Sudeck`s
disease) (www.sudeck-disease.com,
Sudeck dystrophy (Sudeck`s
dystrophy) (www.sudeck-dystrophy.com),
Links zu empfehlenswerten Einrichtungen:
Schmerzklinik (1):
www.schmerzklinik-1a.de,
Schmerzklinik (2):
www.schmerzklinik-1.de
www.norderney-insel-hotel.de/norderney-hotel
www.norderney-insel-hotel.de
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WIRBELSÄULENSCHMERZEN
chronische Schmerzen
(an) der
Wirbelsäule
Wirbelsäulenschme
rzen sind mittlerweile zur Volkskrankheit Nummer 1 geworden.
Mindestens 80 % der Bevölkerung leidet mindestens ein Mal im Leben darunter.
Immer
häufiger sind auch junge Menschen unter zwanzig Jahren betroffen.
In den meisten Fällen ist für die
Problematik die
Lende
nwi rbelsäule verantwortlich.
Eine große Bedeutung
spielen chron
ische
Wirbelsäulenschmerzen
in den Statistiken der Kranken- und
Rentenversicherungen: Bei Männern sind Schmerzen an der Wirbelsäule mit 14 % die häufigste
Ursache für Krankheitsausfälle, bei Frauen mit 11% die zweithäufigste.
| (Chronische)
Wirbelsäulenschmerzen können alle fünf Abschnitte der
Wirbelsäule betreffen, mit Abstand am häufigsten jedoch die
Lendenwirbelsäule, da diese im Alltag am meisten statisch belastet wird,
seit der Mensch sich aufrecht fortbewegt. |
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 |
Die
Wirbelsäule als statisches Achsenorgan ist
in dieser Funktion großen Belastungen ausgesetzt, entsprechend häufig treten
Verschleißerscheinungen auf, die über die physiologische Degeneration
(= normale Abnützung) hinausgehen
und deshalb oft Beschwerden verursachen. Es ist jedoch stets zu bedenken, daß
auch höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt mit Schmerzen
einhergehen müssen, auch gibt es keine statistische Korrelation zwischen dem
Ausmaß der abnutzungsbedingten Veränderungen und der geklagten
Schmerzintensität.
Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen, die theoretisch die
geklagten Beschwerden verursachen können, darf deshalb nicht dazu verleiten,
eine weitergehende Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung eines Krankheitsgeschehens)
zu unterlassen.
Wirbelsäulenschmerzen
können auf die Schädigungsregion (Bewegung
ssegment) beschränkt bleiben und/oder
in das Versorgungsgebiet eines irritierten oder geschädigten Nerven
(pseudoradikuläre
Syndrome oder
radikuläre Syndrome) ausstrahlen. Diffuse, in die Peripherie
(= in den äußeren
Körperbereich) projizierte Schmerzen
ohne fassbare Nervenstörung, begleitet von
Krankheitszeichen, die dem vegetativen, unwillkürlichen Nervensystem zuzuordnen
sind (z.B. örtlich vermehrte Schweißbildung), sprechen für die Funktionsstörung
des Grenzstranges (=
vegetative
Nerven
strukturen beiderseits der Wir
belsäule)
(Synd
rom des sympathischen Grenzstranges, Thoden
1989).
| Systematik
der Schmerzursachen |
| Degenerative
Veränderungen
(= durch Abnutzung hervorgerufen) |
| -
Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung,
Bandscheibenvorfall),
Osteochondrose |
| -
Rüc
kenschmerzen bei ligamentärer
Insuffizienz
(= Funktionsstörung von
Haltebändern) |
| - Rüc
kenschmerzen bei
Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen |
| - knöcherne
Veränderungen (Randzacken,
Knochen
wulste usw.) |
| Missbildungen |
| - angeborene (z.B.
Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel) |
| -
Wirbelsäulenschmerzen bei
Wachstumsstörung (z.B.
Skoliose,
Morbus Scheuermann) |
| Entzündliche
Erkrankungen |
| -
Rheuma
tischer
Formenkreis (z.B.
Polymyalgia,
Morbus Bechterew) |
| -
Schmerzen bei
Infektionserkrankungen (Spondylitis
z.B. durch Tbc, |
| Staphylokokken, M.
Bang) |
| Generalisierte
Skeletterkrankungen |
| - (z.B.
Osteoporose, Osteomalazie) |
| Tumoren der Wir
belsäule |
| - Rüc
kenschmerzen bei
Primärtumoren (hauptsächlich Plasmozytom) |
| - Rüc
kenschmerzen bei
Metastasen |
|
Traumen
(= Verletzungen) (Schmerzen
bei Frakturen,
Schleudertrauma der HW
S) |
| Defekte, nicht
verletzungsbedingte (z.B.
Spondylolyse |
|
und Spondylolisthesis) |
Die
verschiedenen Abschnitte der Wirbelsäule
Das
Halswirbelsäulensyndrom
(HW S-Synd
rom)
oder auch
Zervikalsyndrom
genannt, ist ein Sammelbegriff für von der
Halswirbelsäule ausgehende oder den Halswir
belsäulenbereich betreffende Schmer
zen. Die mit Abstand häufigste Ursache sind Störungen im Bereich der
gelenkigen Wirbelverbindungen, die sog. "Wir
belblockierungen".
In der Regel klagen die Patienten über
Wir belsäulenschmerzen , die in die
Schulter
n, manchmal bis in
die
Arme und/oder auch in
den
Hinterkopf (z.T.
bis zur
Stirn) ausstrahlen können. Meist ist die
Muskulatur neben der
Wirbelsäule verhärtet, häufig verbunden mit
einer schmerzhaft eingeschränkten
Kopf
beweglichkeit. Vielfach besteht auch
Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der Halswir
belsäule.
Zum Ausschluß eines die
Nervenwurzel
n betreffendes
Krankheitsgeschehens (radikuläres Syndrom), bedarf es immer einer fachlichen
Abklärung (Neurologie, Radiologie).
Heftigste Schmerzzustände mit Muskelhartspann und dadurch erzwungener
Fehlhaltung (Schiefhaltung) werden als „akuter
Tortikollis“ bezeichnet.
In Abhängigkeit von der
Höhe der Störung unterteilt man das
HWS-Syndrom in:
Oberes HW
S-Synd
rom:
Die typischen Krankheitszeichen sind in der
Literatur unterschiedlich dargestellt (Kügelgen et Hillemacher
1989, Kocher et al. 1980, Dahmen et al. 1985). Gemeinsames
Merkmal sind
Nacken- bzw.
Wirbelsäulenschmerzen
mit
Schme
rz
ausstrahlung nach oben in den
Kopf, da sich die
Störungen überwiegend auf die Ner
venwurzel des 2. Halswirbels konzentrieren. Die Schmerzeinstrahlung in
den Hinterkop
f, teilweise auch bis zur
Stirn region ziehend, führt häufig zur Diagnose eines zervikogenen oder
vertebragenen (=
wirbelsäulenbedingten)
Kopfschmerz
es.
Inwieweit die HW
S-spezifische "Unkovertebralarthrose"
bzw.
Uncarthrose (=
Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei Wirbelkörpern)
über eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader (A. vertebralis) im Foramen
intervertebrale (=
Zwischenwirbelloch) ein
zervikozephales (=
Hal
s und
Kop
f betreffendes)
Krankheitsbild verursachen kann, ist noch nicht endgültig geklärt.
Mittleres HW
S-Synd
rom:
Die typischen
Wir belsäulenschmerzen treten im Bereich der
Halswirbel 3, 4, 5 auf und strahlen in die
Schulter
blätter, auch bis über die
Schulter aus. Beim
radikulären Synd rom
(= Krankheitszeichen infolge
einer Ner
venstörung, -schädigung)
treten Störungen der Nervenfunktion in Form von herabgesetzter Empfindung
und/oder Lähmungen von Schulterblattmuskeln (z.B. M. levator scapulae) auf. Ganz
selten kommt es auch zu Zwerchfellähmung (Thoden 1987). Beim radikulären
Synd
rom der Ner
venwurzel des 5. Halswirbels ist der M.
biceps brachii betroffen.
Unteres HW
S-Synd
rom:
Da die Ner
venwurzeln des 6. bis 8. Halswirbels und
des 1. Brustwirbels betroffen sind, können diese
Schmer
zen bis in den
Klein
finger ausstrahlen. Meist wird dieser Schmerzzustand mit „Zervikobrachialgie" (Nacken-Schulter-Arm-Syndrom) bezeichnet, obwohl streng genommen
das
Zervikobrachialgiesyndrom mit einer radikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen infolge einer
Nervenstörung, -schädigung)
einhergeht (Debrunner 1988).
Die pseudorad
ikuläre
(= auf eine scheinbare
Nervenschädigung
zurückzuführende) Ausstrahlung in die
Arme fällt noch unter den Begriff "Cervical-Syndrom".
Bei Störung der Ner
venwurzel des 1. Brustwirbels kann sich
ein Horner-Synd
rom (=
Augenlidsenkung, Verengung der Pupille, Zurücksinken des Augapfels)
ausbilden (Thoden 1987).
Das
Brustwirbelsäulensyndrom
(BWS-Syndrom)
ist ein Sammelbegriff für Wirbelsäulenschmerzen, die von der
Brustwirbelsäule ausgehen oder den Brustwir
belsäulenbereich betreffen.
Von allen Abschnitten der Wirbelsäule ist die BW
S hinsichtlich
Schmerzen prozentual
am wenigsten betroffen. Statisch-dynamische Faktoren spielen hier eine
untergeordnete Rolle, es dominieren reflektorische
(= von einem anderen erkrankten
Organ ausgehende, reflexartige) Störungen,
hauptsächlich im
myofaszialen
(= Mus
keln
und deren Gewebsumhüllung betreffenden)
System. Nicht selten sind auch
Interkostalnerven
(= Zwischen
rippen
nerven) im Sinne einer
pseudoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen, die von
einer scheinbar gestörten Ner
venwurzel ausgehen)
beteiligt. Eine
radikuläre Symptomatik
(= Krankheitszeichen, die von
einer tatsächlich gestörten Ner
venwurzel ausgehen)
kann leicht übersehen werden, da z.B. bei motorischen
(= die Muskelfunktion
betreffenden) Ausfällen kaum eine
körperliche Beeinträchtigung eintritt, es sei denn, es sind mehrere
Interkostalnerven
(= Zwischenrippenner
ven) betroffen, was
dann zu einer Störung der Lungenfunktion führen kann.
Der Schmerzcharakter im Bereich der Brustwir
belsäule wird von den Patienten meist mit dumpf und drückend angegeben.
In der Regel ist die Mus
kulatur neben der Wir
belsäule verhärtet und druckschmerzhaft.
Oft besteht auch Klopfschmerzhaftigkeit über den Dornfortsätzen der
Wirbelkörper.
Relativ häufig treten Wir belsäulenschmerzen im Rahmen von Wachstumsstörungen
auf (z.B.
Scheuermann
Krankheit,
Skoliose), begünstigt durch die damit verbundene Fehlhaltung.
Die Wirbelsäulenschmerzen können auch Folge von
zusammengebrochenen Wirbeln aufgrund einer
Osteoporose sein. Nicht selten stellt sich ein BW S-Synd
rom auch nach einem unfallbedingten
Wirbelbruch ein.
Viszera
le
(= die
Eingeweide betreffende)
Übertragungsschmerzen (Referred
pain)
sind stets in die differentialdiagnostischen Erwägungen
(= Überlegungen, welche
Krankheiten noch in Frage kommen können) mit
einzubeziehen. Störungen bzw. Krankheiten von Herz und
Bauch
speicheldrüse führen
oft zu Beschwerden zwischen den Schulterblättern. Auch Erkrankungen der
Speiseröhre, Pleura
(= Brustfell) und Fehlbildungen der
Brustaorta
(= Brustschlagader)
können zu Beschwerden in der BW
S-Region führen.
Das
Lendenwirbelsäulensyndrom
(LWS-Syndrom) ist ein
Sammelbegriff für
Wir belsäulenschmerzen,
die aufgrund degenerativer
(= abnutzungsbedingter)
Wirbelsäulenveränderungen oder statisch-muskulär bedingter Störungen von der
Lendenwirbelsäule
ausgehen oder den Lendenwir
belsäulenbereich betreffen.
Die
Lendenwirbelsäule ist großen statisch-dynamischen
Belastungen ausgesetzt, weshalb hauptsächlich dieser Wirbelsäulenabschnitt von
Schmerzsyndrome
n betroffen ist.
Als Schmerzursache stehen wie bei der
Halswirbelsäule übermäßige degenerative
(=
abnutzungsbedingte) Veränderungen im Vordergrund, wobei der Ba
ndscheibe eine Schlüsselrolle zufällt. Der Wassergehalt des Gallertkernes
der Ba
ndscheibe nimmt im Laufe der Zeit ab und damit
die Elastizität, wodurch die Beweglichkeit beeinträchtigt wird. Der Faserring
verliert allmählich seine Haltefunktion, wird rissig und teilweise für die
Gallertmasse durchlässig. Bereits in dieser Phase sind
Bandscheibenvorfälle möglich. Das
Bewegung
ssegment wird durch diese
Bandscheibenveränderungen nunmehr instabil,
wodurch die Funktionsbewegungen beeinträchtigt werden. Die Wir
belkörper können sich dann gegeneinander
verschieben, worunter die kleinen Wir
belgelenke besonders leiden und
schließlich mit arthrotischen
(= krankhaften)
Veränderungen reagieren (Spondylarthrosen). Mit zunehmender
Bandscheibendegeneration
(=
Bandscheibenabnutzung)
nähern sich die Wirbelkörper einander und reagieren mit Randzackenbildung (Spondylose) und Sklerosierung
(= krankhafte Verhärtung)
der Deckplatten (Osteochondrose). Allmählich kommt es zu einer
Versteifung, die an sich der Entstehung von
Wirbelsäulenschmerzen
entgegen wirkt
("wohltuende Versteifung im Alter").
Jede Phase dieser fortschreitenden Degeneration kann im Bewegungssegment
Schmer
zen
verursachen, die auch mit
pseudoradikulärer oder gar
radikulärer Symptomatik
(= Krankheitszeichen die auf
eine scheinbar oder tatsächlich geschädigte
Nervenwurzel zurückzuführen sind)
einhergehen können. Verschleißprozesse, die über die normale,
altersentsprechende Abnutzung hinausgehen, können auch zu einer Verengung des
Spinalkanals
(Spinalkanalstenose)
führen und in den betroffenen Segmenten
Wirbelsäulenschmerzen
hervorrufen, bei entsprechendem Ausmaß treten weitere Beschwerden hinzu
((pseudorad ikuläre, rad
ikuläre Ausstrahlungen in die
Beine,
Claudicatio spinalis
(= Funktionsbeeinträchtigung der
Beine aufgrund einer
Durchblutungsstörung im
Rücken
mark)).
Die kleinen Wir
bel
gelenke, die wegen ihrer dachziegelartigen
Anordnung auch Facettengelenke genannt werden,
können auch isoliert, also unabhängig vom Einfluß der
Bandscheibendegeneration arthrotische Veränderungen erfahren und dann ebenfalls schmerzhafte
Blockierungen des Bewegungssegmentes hervorrufen. Auch im Bereich der Foramina
intervertebralia
(=
Zwischenwirbellöcher) können
isolierte Störungen auftreten, die die zugehörigen
Nervenwurzel
n irritieren oder gar schädigen
und dann zu
Schmer
zen führen. Ein
Bandscheibenvorfall erfolgt meist
dorsolateral
(= seitlich und nach hinten)
und kann schon bei geringem Ausmaß das Bewegungssegment blockieren. In der
dorsolateralen Region kann aber auch die
Nervenwurzel direkt tangiert bzw. eingeklemmt werden und ausstrahlende
Krankheitszeichen bewirken.
90% aller
Bandscheibenvorfälle finden in den Etagen L4/L5
und L5/S1 statt (Sehhati-Chafei 1988). Diese bevorzugte Lokalisation
führt dazu, daß häufig die Diagnose "Lumboischialgie"
gestellt wird, da die oberen Anteile des Pl exus ischiad
icus (=
Nerven
geflecht aus dem der
Ischias
nerv entstammt) bzw. Pl
exus sacral
is
(= Nervengeflecht im Bereich des
Kreuzbein s)
den Ner
venwurzeln L4 und L5 entstammen.
Patienten mit
Wir belsäulenschmerzen nach
Bandscheibenoperationen sind
bezüglich einer
Schmerzbehandlung sehr problematisch. Erfahrungsgemäß nimmt die
Problematik mit jeder weiteren Operation sogar noch zu. Der oben beschriebene
typische Ablauf des Abnutzungsprozesses macht deutlich, daß auch mit einer
Operation die eigentliche Schmerzursache ja nicht behoben werden kann, im
Gegenteil, es besteht sogar die Gefahr, daß der degenerative Prozeß noch
beschleunigt wird. Mit jeder Operation nimmt die Tendenz zur Instabilität zu,
abgesehen von den zusätzlichen iatrogenen
(= durch die Operation verursachten)
Gewebsschädigungen.
Nicht selten sehen wir Patienten, bei denen nach mehrfachen
Bandscheibenoperationen
wegen Instabilität
eine Spondylodese (= operative
Wirbelsäulenversteifung)
durchgeführt werden mußte. Leider ist auch nach einer solchen, teilweisen
Wirbelversteifung
ein Großteil der
Patienten nicht beschwerdefrei. Es ist daher zu begrüßen, daß die Indikation (= Anzeige)
zur
Bandscheibenoperation in den letzten Jahren immer
mehr eingeschränkt worden ist.
Als Grund für eine Operation ist das Krankheitszeichen "Wirbelsäulenschmerzen"
in den Hintergrund getreten. Als relative Indikation
(= Anzeige)
gelten allenfalls unerträgliche, therapieresistente
(= nichts hilft)
Schmerzen an der Wirbelsäule.
Beim sog. Cauda-Synd
rom
(=
Rücken markschädigung mit Lähmung der
Beine), ebenso bei motorischen Defiziten
(= Beeinträchtigungen der Muskelfunktion),
die unter konservativer Therapie
(= Behandlung ohne Operation)
bestehen bleiben oder gar zunehmen, muß operiert werden, um eine Entlastung
herbeizuführen.
Segmentale Wir belsäulenschmerzen,
mit und ohne Schmerzausstrahlungen, können auch von
den
Muskeln
neben der
Wirbelsäule
selbst und/oder den zugehörigen
Sehnen ausgehen (myofasziales
Schmerzsyndrom). Über den
segmentalen Reflexbogen kann auch die benachbarte Seite mit einbezogen werden,
so daß das Bild eines vertebragenen
(= von der Wir
belsäule
ausgehenden)
Rückenschmerz
es
vorgetäuscht wird.
Die
Sakralgie bezeichnet
Wir belsäulenschmerzen in der Kreuzbeingegend, z.B. infolge Kompression
(= Einklemmung)
der Nervi clunium recurrentes in den Kreuzbeinlöchern, bei Sakralisation
(= Verschmelzung des 5 Lendenwirbels mit dem Kr
euzbein),
häufig mit einer Erkrankung der
Iliosakralgelenke einhergehend.
Grobe Hinweise auf die Art
der Schädigung liefern die Abfrage der Vorgeschichte und Beschwerdebild.
Werden die Schmerzen bei Beanspruchung der Wirbelsäule verstärkt oder ausgelöst, so
sind die Bewegungssegmente beteiligt. Schmerzen, die von der
Wirbelsäule nfunktion unabhängig sind, sprechen mehr für Störungen im Bereich der
Wirbelkörper.
Akut
(= plötzlich einsetzende, heftig)
auftretende Wirbelsäulenschmerzen im Rahmen eines
LWS-Syndrom
s sind häufig bandscheibenbedingt, können aber auch durch eine
akute Segmentblockierung (hpts. kleine Wir
belgelenke) ausgelöst werden.
Akute (= plötzlich einsetzende,
heftige) Schmerzen der Wirbelsäule, die mit einer monoradikulären Symptomatik
(= Krankheitszeichen 1 Ner
venwurzel betreffend)
einhergehen, sind sichere Anzeichen eines
Bandscheibenvorfall
s, gleiches gilt
für akute Schmer
zen
im Zusammenhang mit einem Cauda-Synd
rom
(= Rückenmarkschädigung mit
Lähmung der
Beine).
Wirbelsäulenschmerzen beim Husten und Pressen sind typisch für
Nervenwurzelkompressionen, z.B. infolge
einer Bandscheibenprotrusion
oder gar eines
Bandscheibenprolaps
(=
Bandscheibenvorwölbung
oder gar
Bandscheibenvorfall).
Schmer
zen, die bei Erschütterung auftreten, können von einer
Spondylitis
(= En
tzündung an der Wir
belsäule)
verursacht werden.
Wirbelsäulenschmerzen, die bevorzugt nachts und morgens auftreten, weisen auf eine
generalisierte
(=
allgemeine)
Wirbelsäulenerkrankung hin, z.B.
Morbus
Bechterew oder
Osteoporose.
Auch auf den Ort der Schädigung lassen sich bereits aus dem Beschwerdebild
Rückschlüsse ziehen. Schmer
zen und Störungen der (Berührung
s-) Empfindlichkeit
im Bereich ober- und unterhalb des Leistenbandes weisen auf die Ner
venwurzeln L1
(= 1. Segment der
Lendenwirbelsäule)
und L2 hin.
Die L3-Wurzel macht sich am vorderen inneren
Oberschenkel
bemerkbar.
Wirbelsäule n
schmerzen,
ausgehend vom
Kreuzbein, auch als
Sakralgie bezeichnet, können mehrere Ursachen haben:
-
Traumatisch (= verletzungsbedingt),
hauptsächlich in Form von Prellungen, ein Kreuzbeinbruch ist eher selten.
Nach einer Prellung sind länger anhaltende Schmer
zen
i.d.R. Folge einer unspezifischen
Knochenhautentzündung.
-
Bei Tuberkulose ist häufiger
neben dem Befall des Kreuzbeins auch das
Hüftgelenk mit einbezogen, man
spricht dann von einer
Sakrokoxalgie.
-
Bei einer sog. Sakralisation.
Unter einer oberen Sakralisation versteht man eine komplette
oder inkomplette (= unvollständige)
(asymmetrische)
mit Formangleichung verknüpfte Verschmelzung des
5. Lendenwirbelkörpers mit dem
Kreuzbein. Bei der unteren
Sakralisation kommt es zu eine Verschmelzung mit dem 1.
Steißbein
wirbel,
was zusätzlich zu
Steißbeinschmerzen
führen kann.
-
Infolge Kompression
(=
Einengung) der sog. Nerven clunium
recurrentes in den
Kreuz
beinlöchern (Wurzelkompression).
Schließlich gibt es noch
Wirbelsäule n
schmerzen, die
vom
Steißbein
ausgehen, sie werden auch als
Kokzygodynie
(Cocczygodynie)
bezeichnet.
Mögliche Ursachen:
-
Verletzungen, meist in Form einer
Knochenprellung beim Sturz aufs
Gesäß.
-
Steißbeinschmerzen
können bei Frauen auch nach
einer schweren Entbindung auftreten.
-
Untere
Sakralisation (= Verschmelzung des
Kreuzbeins mit dem 1. Steißbeinwirbel), wobei zusätzlich
Kreuzbeinschmerz
en
bestehen.
-
Tendopathien
(= Irritationen / Störungen im Bereich von Muskel
ansätzen bzw.
Sehnen
am
Knochen)
Behandlung der
Wir
belsäulenschmerzen
Grundsätzlich muß zunächst
versucht werden, durch eine geeignete Diagnostik
(= Maßnahmen zur Erkennung von Krankheiten)
eine für die geklagten Schmerzen ursächliche, spezifische
Erkrankung zu entdecken.
Gelingt dies, so wird diese zunächst kausal
(= entsprechend dem Krankheitsbild)
behandelt.
Wenn dennoch Wirbelsäulenschmerzen verbleiben oder keine eindeutige, spezifisch behandelbare
Schmerzursache gefunden wurde, so sind schmerztherapeutische Behandlungsmethoden
gefragt, die oft bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen sind, da sie
sich nunmehr nach dem Schme rz und seiner Ausdehnung und nicht mehr vorrangig
nach seiner Ursache richten.
Länger bestehende Schmer
zen erfordern praktisch immer eine Kombination von
verschiedenen Therapieverfahren.
Medikamentöse Schmerztherapie
(MST):
Akut
(= plötzlich einsetzend, heftig) und
subakut (= eher schleichend verlaufend) können zunächst (vorwiegend)
peripher wirkende Analgetika (=
Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika
(= Rheumamittel),
aus dieser Gruppe möglichst
langwirkende und magenschonende wie z.B. Mobec®. Besonders magenschonend und
auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Bei stärkeren
schmerzhaften
Muskel
verspannungen können darüber hinaus auch Muskelrelaxanzien
(= Mittel zur Muskelentspannung) (z.B.
Norflex®, Mydocalm®) verordnet werden.
Manchmal sind aber Wirbelsäule n
schmerzen nur mit zentralwirkenden Analgetika
(z.B. Tramadol, Valoron N®
oder auch Morphin)
(= im Gehirn bzw. Rückenmark wirkende Schmerzmittel)
beherrschbar.
Grundsätzlich sollte aber
eine längerfristige
Schmerzmittelverordnung wegen der Gefahr der Gewöhnung oder gar
Schmerzmittelabhängigkeit
vermieden werden.
Die Kombination mit schmerzdistanzierenden
Antidepressiva
(= Mittel gegen Depression,
u.a. aber auch bei chronischen Schmerzen wirksam)
(z.B. Doxepin, Maprotilin) hilft in vielen Fällen Schmerzmittel
einzusparen.
Spezielle Schmerztherapie
mittels
therapeutischer
Lokalanästhesie
(= Behandlung mit
einem örtlichen
Betäubungsmittel bzw.
Lokalanästhetika):
-
Nachstehend beschriebene, invasive
(= in den Körper eindringende) Therapiemethoden der
speziellen
Schmerztherapie setzen
eine sehr gründliche ärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in wenigen
therapeutischen Einrichtungen angeboten werden können. Insbesondere sind die
kontinuierlichen Blockaden mittels eingepflanztem Katheter in Deutschland nur in
ganz wenigen
Schmerzkliniken
durchführbar, so z.B. in Bad Mergen
theim.
Bei anhaltenden
Wirbelsäulenschmerzen sollten rechtzeitig alternative Methoden
eingesetzt werden. Eine sehr wirksame Alternative, ohne jedes Gewöhnungs- oder
Suchtpotential, ist die therapeutische Lokalanästhesie mit einem langwirkenden
örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain) in Form von örtlichen
Betäubungen und
Ner
venblockade
n.
Infiltrative
Lokalanästhesie
(= Infiltration mit einem örtlichen Betäubungsmittel):
Die einfachste diesbezügliche Therapie besteht in der örtlichen Infiltration der
meist verspannten, an die Wir
belsäule angrenzenden
Muskulatur. Je nach segmentaler Ausdehnung
reichen ca. 5-10 ml Bupivacain 0,25% bis 0,5% völlig aus. Eine weitere
Möglichkeit ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten
(= kleine Reizzonen hpts. in
der Mus
kulatur)
nach vorheriger Identifizierung derselben.
Werden Schmer
zen
durch abgenutzte, entzündliche oder irritierte
Intervertebralgelen
ke
(= kleine
Gelenke
zwischen den Wirbeln) verursacht,
sind Infiltrationen der betroffenen kleinen Gelen
ke erfolgversprechend. Kortison- Zusatz
kann den Heilungsprozeß beschleunigen.
Der Beweis für ein "Facettensyndrom"
(=
Schmerzstörung im Bereich der kleinen Wir
belgelenke)
als Schmerzursache, ist letztlich nur durch den Erfolg einer probatorischen
(= zur Sicherung der Diagnose durchgeführten)
Facet
ten-Betäubung zu erbringen. Langzeiterfolge
durch Thermokoagulation
(= Verkochung / Zerstörung mit
Hochfrequenzstrom) der Facet
ten sind bei
Wirbelsäulenschmerzen nicht
gesichert.
Periphere temporäre (= oberflächliche, zeitlich begrenzte)
Nervenblockade
n:
Zur Unterbrechung segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von
Schmerzausstrahlungen eignen sich Blockaden
(= Betäubungen)
der korrespondierenden Ner
venwurzeln
(= im Schmerzbereich befindliche Nervenaustrittstellen neben
der Wir
belsäule).
Im Len denbereich auch
kontinuierlich mit Katheter*.
Schmerzausstrahlungen in
Schulter, auch in die
Arme, wie sie beim mittleren/unteren
Zervikalsyndrom in typischer Weise vorkommen,
sprechen zufriedenstellend auf die wiederholte hohe Blockade des Pl
exus brach
ialis
(= Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen
Halsbereich) nach Winnie an.
Technisch risikoärmer und oft besser wirksam ist jedoch die
kontinuierliche, retrograd hohe
Plexus brachialis-Blockade mit Katheter (*siehe unten). Die kontinuierliche
inters
kalenäre Blockade ist mit einem höheren Risiko
behaftet.
Periphere (=
oberflächliche) Schmerzprojektionen
entlang der
Interkostalner ven
(= Zwischen
rippen
nerven) bei Vorliegen
eines
BWS-Syndrom
s sprechen gut auf wiederholte
Interkostalblockaden
mit einem örtlichen Betäubungsmittel an. In hartnäckigen Fällen kann die
Blockadefrequenz durch
Implantation eines Katheters (* siehe unten) erhöht werden.
Im Bereich der
Beine können bei entsprechender radikulärer
oder pseudoradikulärer Schmerzausstrahlung
(= Schmerzen die auf eine
tatsächlich oder scheinbar geschädigte
Nervenwurzel
zurückzuführen sind) der vordere
Oberschenkel
nerv (N. femoral
is) und / oder der
Ischias
nerv
wiederholt blockiert werden, in hartnäckigen Fällen mit Katheter (* siehe
unten).
Bei Schmerzausstrahlung in den Bereich des seitlichen und inneren Oberschenkels
gelingt mit der sog. 3-in-1-Variante die zusätzliche Betäubung der Ner
ven obturatorius und cutaneus femoris
lateralis, deshalb auch geeignet zur Behandlung der
Meralgia
paraesthetica
(=
brennende Schmerzen
an der
Oberschenkelaußenseite).
Eine Perid uralblockade
(= rückenmarknahe Betäubung)
im Bereich der
Brust
- oder Halswir
belsäule erfordert ein strenge
Nutzen-/Risikoanalyse. Die lumbale Periduralblockade
(= rückenmarknahe
Betäubung im
Lenden
bereich),
insbesondere
kontinuierlich mit Katheter*, ist bei
Wirbelsäulenschmerzen im
Kreuzbereich
eine sehr effektive
Therapiemaßnahme, die allerdings nur unter stationären Bedingungen durchgeführt
werden sollte. Bei technischer Beherrschung, adäquater
Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das
Risiko bei der Indikation
(= Anzeige) "Rückenschmerz" als vertretbar eingestuft werden.
Wenn eine Perid
uralblockade technisch schwer oder nicht
durchführbar ist (z.B. bei Mißbildungen, Zustand nach operativer
Wirbelsäulenversteifung usw.), bietet sich
besonders bei Störungen im Bereich des Pl exus sacral
is (=
Nervengeflecht im Bereich des Kreuzbeins) die sog.
Kaudalanäst
hesie
(= rückenmarknahe
Betäubung durch einen Kanal im
Kreuz
bein
hindurch) an, die auch mit Katheter*
möglich ist, sofern dieser wegen der der Gefahr einer En
tzündung
seitlich unter der Haut mittels einer Untertunnelung weggeführt wird. Erhöht man
die Menge des örtlichen Betäubungsmittels (z.B. 20-25ml Bupivacain 0,1 bis 0,15
%) kann auch der obere
Lenden
bereich
erreicht werden.
Statt mit einem örtlichen Betäubungsmittel können die aufgeführten,
rückenmarknahen Blockaden auch mit einer verdünnten Morphin-Lösung durchgeführt
werden, allerdings ist dabei die oft zu beobachtende, über die Behandlungszeit
hinaus anhaltende Wirkung deutlich weniger ausgeprägt.
Bei sehr schweren und sonst kaum behandelbaren Wirbelsäulenschmerzen kann zur
Durchführung rückenmarknaher Blockaden auch eine kleine Schmerzpumpe
unter die Haut gepflanzt werden. Das Arzneimittelreservoir der Pumpe wird dann
in bestimmten Zeitabständen durch die Haut hindurch mit Hilfe einer Spritze
wieder aufgefüllt.
*
Bei der sog. kontinuierlichen
Blockade mit Katheter wird der dünne Kunststoffschlauch dicht an
Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv en eingepflanzt. Die Einpflanzung
erfolgt durch eine handelsübliche Kanüle hindurch, es muß also nicht „aufgeschnitten“
werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach
Abklingen der vorangegangenen Dosis, das
örtliche Betäubungsmittel völlig
schme
rzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des
örtlichen Betäubungsmittel durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe
angeschlossen werden. Das
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
wird bei dieser Behandlung
so dosiert, dass die grobe Kraft erhalten bleibt (bei gleichzeitiger Hemmung der Schme
rzreizleitung), damit begleitend krankengymnastische Übungsbehandlungen
möglich bleiben.
Dass die schmerzlindernde
Wirkung i.d.R. über die eigentliche Behandlungszeit
hinaus anhält, ist u.a. darauf zurückzuführen, dass bei dieser Blockadebehandlung auch
die sog. vegetativen Nerven betroffen sind, woraus eine sehr deutliche
Durchblutungssteigerung resultiert
(Sympathikolyse). Dies ist der Grund, warum diese Behandlungsmethode
besonders bei Schmer
zen, die durch entzündliche,
oder auch degenerative (= abnutzungsbedingte) Prozesse
entstanden sind, hilfreich ist. Eine
gute Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder
geschädigten Nervs. Nach neueren Erkenntnissen vermag eine solche, intensive,
längerfristige Blockadebehandlung auch das sog.
Schme rz
gedächtnis zu löschen.
Physikalische Therapie:
Auch die Elektrostimulation kann eine
Beschwerdelinderung herbeiführen.
Die transkutane Nervenstimulation mit Niederfrequenzgenerator über
Klebeelektroden (TENS) hat den Vorteil, daß sich die Patienten bei Bedarf selbst
behandeln können. Die Elektroden werden paarig neben der Wir
belsäule im Schmerzbereich aufgeklebt.
Durch Veränderung der Stimulationsfrequenz und der Elektrodengröße kann die
Wirkung optimiert werden. Auch eine sog.
Hochtontherapie
kann sehr hilfreich sein.
Die elektrische epidurale Rückenmarksstimulation erfordert eine strenge
Patientenauswahl. Eine weitere physikalische Behandlungsmöglichkeit ist die oberflächliche Kältetherapie im Schmerzbereich. Wir
verwenden einen elektrischen Kaltluftgenerator, dessen Luftstrom auf ca. -10 bis
-15 Grad C abgekühlt ist. Manche Patienten empfinden
allerdings lokale Wärmeapplikationen (Rotlicht) als besser wirksam. Warme
Bäder können ebenfalls
Wirbelsäulenschmerzen lindern.
Die Verordnung von Massagen ist auch bei
Wirbelsäulenschmerzen nicht sinnvoll.
Für den Patient mag diese Behandlung zwar angenehm sein, aber unter
schmerztherapeutischem Aspekt bringt sie nichts und führt nur zu unnötigen
Kosten.
Nahezu unverzichtbar ist aber die heilgymnastische
Therapie, da meist nur diese geeignet ist, einen ärztlichen
Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Dabei gilt es,
die
Muskeln neben der
Wirbelsäule zu trainieren, da auf Dauer nur
eine kräftige/suffiziente Mus
kulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans
kompensieren kann.
Besonders bei akuten Blockierungen hat die manuelle Therapie (Chirotherapie)
bei der Anzeige „Wirbelsäulenschmerzen“ durchaus gute Erfolge aufzuweisen. Bei
schmerzhaften degenerativen
(= durch Abnutzung hervorgerufenen) Veränderungen der
Wirbelsäule wird auch eine
Röntgenbestrahlung empfohlen (Thomalske 1991). Die
Magnetfeldtherapie
(pulsierende
Signaltherapie)
kann wirbelsäulenbedingte Schmer
zen ebenfalls lindern.
Andere Therapiemaßnahmen:
Der Vollständigkeit halber darf die
Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.
Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und
Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie
bzw. (Rückenschule)).
Darüber hinaus ist anzustreben, daß die betroffenen Patienten Übungen zur
Lockerung der Mus
kulatur erlernen.
Die Verordnung von Hilfsmitteln wie z.B. stabilisierende Korsette sollten dem
Orthopäden vorbehalten sein.
Hypnoide (=
bewußtseinsverändernde) Verfahren
wie autogenes Training oder progressive Relaxation nach Jakobson sind auch bei
Wirbelsäulenschmerzen
eine sinnvolle Ergänzung der Gesamtstrategie, da auch sie zu
einer muskulären Entspannung führen, ebenso
Biofeedback
(=
Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale).
Psychologisch / psychotherapeutische Interventionen
können
bei ausgeprägten "psychosomatischen Schmer
zen" angezeigt sein, da auch
verdrängte Konflikte muskuläre Verspannungen und Schmer
zen
verstärken können.
Bei längerfristig bestehenden
Schmerzen ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II
oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein
somatische (=
körperliche) Behandlung kaum mehr
ausreichend, sondern es müssen zusätzlich
psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

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Aktualisiert: 24.03.2006
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